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Dr. med. Jens Westphal

Chefarzt der Dr. med. Westphal Urologischen
Klinik und des Zentrums für laparoskopische urologische Chirurgie am St. Josefshospital in Uerdingen


"Die Patienten werden nicht verstrahlt" *

Interview mit Dr. med. Jens Westphal, Uerdingen

rheinruhrmed: Dr. Westphal, die Brachytherapie ist eine Sonderform der Strahlentherapie, die u.a. bei Prostatakrebs eingesetzt wird. Was ist das Wesentliche dabei?

Dr. med. Westphal: Bei der LDR-Brachytherapie (LDR = Low-Dose-Rate; Niedrig-Dosis-Variante) bringen wir die von uns gewünschte Strahlendosis mittels radioaktiv markierten Implantaten direkt in die Prostata, das heißt wir bestrahlen sozusagen das Organ von innen, indem wir die Prostata mit winzigen, radioaktiven Stiften „spicken“. Das bedeutet zwar auf der einen Seite eine relativ hohe Strahlenbelastung, auf der anderen Seite sind die Nebenwirkungen, also z. B. die Belastung der benachbarten Organe, sehr gering. Schließlich führen wir das Verfahren ja auch nicht allein als Urologen durch, sondern bilden ein Kompetenzteam aus Urologen, Strahlentherapeuten, Physikern und Anästhesisten.

rheinruhrmed: Typisch für viele Prostatakrebse ist, dass sie eher im äußeren Bereich des Organs entstehen. Wie schaffen Sie es, dass die radioaktiven Implantate, die so genannten Seeds (zu deutsch: Samen), aber nun wirklich nur das Karzinom und nicht etwa all das bestrahlen, was im Körper in unmittelbarer Nachbarschaft zur Prostata liegt?

Dr. med. Westphal: Zunächst machen wir eine Online-Vermessung der Prostata, und zwar mit Hilfe des „transrektalen Ultraschalls“. Das ist ein hochauflösendes Gerät, dessen Schallkopf der Urologe über den After des Patienten an die Prostata bringt. Die Ultraschall-Daten bekommt der Physiker dann auf seinen Computer gespielt. Mit ihrer Hilfe berechnet er, wo genau wie viele der radioaktiv markierten Seeds eingesetzt werden müssen. Die einzelnen Seeds sind dabei immer gleich stark radioaktiv markiert, können aber, je nach Stelle in der Prostata, als „Kette“ von zwei bis vier Seeds eingesetzt werden. Auf dem Computerbild legt der Urologe gemeinsam mit dem Physiker fest, welche Bereiche schützenswert sind, also z. B. die Harnröhre, die durch die Prostata geht, das Rektum oder der Mastdarm. Unter Berücksichtigung all dieser Daten erstellt der Physiker dann einen Bestrahlungsplan ...

rheinruhrmed: ... also wie eine Art Karte, auf der die Prostata in Koordinaten eingeteilt wird?

Dr. med. Westphal: So ähnlich. Beim Eingriff, der übrigens unter Vollnarkose erfolgt, liegt der Patient wie auf einem gynäkologischen Stuhl, wir nennen das die „Steinschnittlage“. Am Damm, also dem Bereich zwischen Hodensack und After, wird eine Platte platziert, die mit – ja nennen wir es ruhig – „Koordinaten“ markiert ist. Der Physiker gibt analog zu dem Bestrahlungsplan nun die Koordinaten an, der Strahlentherapeut stellt die Seeds zusammen und der Urologe setzt sie mittels Hohlnadeln und unter Ultraschallkontrolle ein. Die Seeds verbleiben dann in der Prostata, während die Nadel wieder herausgezogen wird.

rheinruhrmed: Gelinde gesagt wird Patienten doch sicherlich etwas mulmig, wenn sie erfahren, dass sie radioaktive Elemente in den eigenen Körper eingesetzt zu bekommen.

Dr. med. Westphal: Genau diese Angst muss man dem Patienten im Gespräch nehmen. Natürlich denken viele sofort an „radioaktive Verseuchung“; sicherlich auch, weil Radioaktivität in den Medien stets eher negativ erwähnt wird. Aber das ist bei der Brachytherapie anders: Sie ist eine medizinische Maßnahme, die unter höchstem Sicherheitsschutz passiert. Natürlich kann immer etwas passieren, wie bei jeder anderen Operation auch. Aber die Patienten werden nicht verstrahlt, um das ganz deutlich zu sagen.

rheinruhrmed: Aber die Seeds bleiben auf Lebzeiten in der Prostata?

(Zur Fortsetzung des Interviews: Teil 2)


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