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„Die Symptome können auch wieder verschwinden, der Schlaganfall ist dennoch da“ *

May

Dr. med. Thomas May

Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Krankenhaus Porz am Rhein in Köln; Facharzt für Gefäßchirurgie und Allgemeinchirurgie

Der tragische Schlaganfall der TV-Schauspielerin Gaby Köster hat viele Menschen wach gerüttelt. Sind Frauen häufiger von Schlaganfällen betroffen?

Dr. med. May: Nein, das kann man nicht sagen, im Gegenteil. Männer sind wesentlich häufiger davon betroffen. Wenn aber Frauen davon betroffen sind, dann sind die neurologischen Schäden deutlich schwerer und die Pflege- und Reha-Maßnahmen aufwendiger. Wenn man bedenkt, dass die jährlichen Behandlungskosten pro Fall bei ca. 50.000 Euro liegen, und man diese Summe dann mit jährlich gut 200.000 Neuerkrankungen multipliziert, dann wird schnell deutlich, welche finanzielle Belastung da für unser Gesundheitssystem auftritt. Dies ließe sich durch eine frühzeitige Vorsorge sicherlich reduzieren.

Was passiert bei einem Schlaganfall?

Dr. med. May: Dazu muss man wissen, dass das Gehirn ein Organ ist, das sehr viel Energie und Sauerstoff braucht. Das Problem des Gehirns ist jedoch, dass es diese Energie nicht so gut speichern kann. Das heisst, dass hier ein extrem hoher Blutdurchfluss gewährleistet sein muss: Ca. 1,6 Liter Blut strömen schließlich pro Minute durch das Gehirn. Wenn nun ein Gefäß verstopft ist, sei es auf dem Weg zum Gehirn, also im Halsbereich, oder im Gehirn selbst, kommt es zu einer Minderversorgung an dieser Stelle und das Gewebe dahinter stirbt relativ rasch ab. Etwa 80 bis 85 % aller Schlaganfälle lassen sich auf ein solches verstopftes Gefäß zurückführen. In den übrigen Fällen sind Einblutungen im Gehirn die Ursache. Man spricht in diesem Fall von einer Hämorrhagie: Dabei platzt das Gefäß aufgrund eines zu hohen Blutdrucks und beschädigt damit das umliegende Gewebe.

Welche Risikofaktoren spielen beim Schlaganfall eine Rolle?

Dr. med. May: Sicherlich ist das Vorhoffflimmern ein wesentlicher Faktor, der einen Schlaganfall hervorrufen kann. Beim Vorhoffflimmern kommt es im Herzen des Patienten zur Klumpenbildung des Blutes; man kann sich das so vorstellen, dass das Blut im Prinzip wie Sahne geschlagen wird. Dieses Gerinnsel kann auf seinem Weg durch den Körper über die Halsschlagadern ins Gehirn des Patienten gelangen und sich dort festsetzen. Auch Herzklappen-Erkrankungen können solche Gerinnsel bilden. Letztlich kann aber natürlich auch eine allgemeine Verkalkung der Gefäße, also die Arteriosklerose, dazu führen, dass es zu einem Schlaganfall kommt...

... und eine Arteriosklerose wird natürlich auch wieder bedingt durch eine ganze Reihe von Risikofaktoren.

Dr. med. May: Genau, da gibt es viele Faktoren, die sich ungünstig auswirken können, etwa Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, Diabetes, aber natürlich auch das Alter.

Lässt sich quasi von außen erkennen, dass jemand einen Schlaganfall hat?

Dr. med. May: Das hängt natürlich davon ab, wo im Gehirn der Schlaganfall passiert. Ein typischer Gesichtsausdruck eines Schlaganfall-Betroffenen sieht ungefähr so aus: hängendes Augenlid, schlaff hängender Mundwinkel, der Blick geht nur in eine Richtung. Zudem kann es zu Sprach-, Verständnis- oder Sehstörungen kommen: verschwommenes Sehen, doppeltes Sehen. Auch starke Kopf- und Rückenschmerzen können auf einen Schlaganfall hinweisen. Wer solche oder ähnliche Symptome feststellt, sollte den Betroffenen dringend zur Untersuchung in ein Krankenhaus bringen.

Nun sind diese Symptome aber nicht wirklich eindeutig. Kopf- oder Rückenschmerzen können ja auch ganz andere Ursachen haben.

Dr. med. May: Ja, hinzu kommt - und das ist das Tückische -, dass diese Symptome auch wieder nach kurzer Zeit verschwinden können und der Betroffene denkt: "Ach, das kann ja nichts Schlimmes gewesen sein". Untersuchungen zeigen aber, dass diese Patienten spätestens in drei Monaten einen fulminanten Schlaganfall erleiden werden. Deswegen ist es umso wichtiger, auf diese Feinheiten zu achten. Nehmen Sie diese Symptome ernst.

- 28.11.2011 -

(Quelle: Krankenhaus Porz am Rhein)

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