Dr. med. Peter Mann
Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am St. Josefshospital in Krefeld-Uerdingen
rheinruhrmed: Dr. Mann, einen Knorpelschaden am Kniegelenk mit körpereigenem Knorpel zu reparieren – das weckt bei vielen Arthrose-Patienten sicherlich jetzt Hoffnung. Welche Kriterien muss ein Patient für eine Knorpeltransplantation erfüllen?
Dr. Mann: In jedem Fall sollte das Kniegelenk stabil sein. Mit anderen Worten, es muss ein gut funktionierender Rest-Meniskus vorhanden sein. Der ist nämlich unter anderem für die Führung des Kniegelenkes wichtig. Die Behandlung eignet sich demnach in erster Linie für Patienten, die einen Knorpelschaden, aber keine generelle Arthrose, also einen kompletten Kniegelenk-Verschleiß haben. Darüber hinaus gibt es einige internistische Erkrankungen, z.B. Rheuma oder Morbus Bechterew, die der Patient nicht haben sollte. Es darf auch keine bakterielle Gelenkentzündung vorgelegen haben. Und Patienten, die adipös sind oder unter Osteoporose leiden, fallen ebenfalls aus der Zielgruppe für diese Behandlung heraus.
rheinruhrmed: Das grenzt den Kreis der Patienten ja schon sehr ein. Für wie viele Arthrose-Patienten, die das hier jetzt lesen, kommt denn diese Behandlung nun schätzungsweise in Frage?
Dr. Mann: Also, ich schätze mal nur für ca. 10 Prozent der Patienten. Die Knorpeltransplantation richtet sich nun mal in erster Linie an Patienten mit einem lokalen Befund, die also einen Knorpelschaden haben, der durch einen Unfall oder durch einen defekten Meniskus entstanden ist. Der Knorpel reibt sich in solchen
Thema Knie
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Fällen an der beschädigten Stelle ab, so dass eine Rille entsteht; diese Rille kann übrigens auch schon mal 2 cm lang sein. Entscheidend ist, dass eine intakte Randleiste mit Knorpel bestehen bleibt. Ist das der Fall, lassen sich diese Rillen mit dem transplantierten Knorpel hervorragend schließen.
rheinruhrmed: Warum ist diese Randleiste so wichtig?
Dr. Mann: Ganz einfach: Die Knorpelstücke, die als Stecknadelkopf kleine Kügelchen in die Rille eingesetzt werden, würden ansonsten schlicht wegrollen und hätten keinen Halt, um dort anzuwachsen.
rheinruhrmed: Deshalb eignet sich diese Methode also auch nicht für Fälle von sehr flächiger und diffuser Gelenkarthrose?
Dr. Mann: Genau.
rheinruhrmed: Ist diese Behandlung nur am Kniegelenk oder auch an anderen Gelenken möglich?
Dr. Mann: Grundsätzlich ist diese Knorpeltransplantation an allen Gelenken des menschlichen Körpers möglich. Und es gab auch schon Operationen an anderen Gelenken, aber z.B. an der Hüfte sind die Ergebnisse so schlecht, dass man derzeit auf dem Stand ist, dass die Transplantation am Hüftgelenk keinen Sinn macht. Ebenso wenige übrigens wie am Schultergelenk. Am Sprunggelenk wiederum gibt es etwas bessere Resultate, aber die besten Ergebnisse erreicht man immer noch am Kniegelenk. Möglicherweise hat das etwas mit der Durchblutung zu tun. Aber das steht noch nicht fest. Das wurde aber zumindest auf dem letzten Kongress diskutiert.
rheinruhrmed: Ist es nicht riskant, Knorpel von einer Stelle einfach so zu entfernen?
Dr. Mann: Nein, am Knie gibt es weitgehend unbelastete Stellen, an denen der Mensch den Knorpel nicht unbedingt braucht. Eine solche Stelle ist z.B. die neben dem Kreuzband. Von dort nimmt man dann ein wenig Knorpel weg, das ist völlig problemlos.
rheinruhrmed: Bleibt dort eine Lücke?
Dr. Mann: Nein, die füllt sich von selbst wieder auf. Das Prinzip, was hinter diesem ganzen Verfahren steckt, ist das der Stammzellentherapie. Das muss man sich so vorstellen: Knochen produzieren ja Blut. Und dort, wo das Blut austritt, enthält das Blut Stammzellen, die sich in jede Körperzelle verwandeln können. Die Stammzellen brauchen nur einen entsprechenden Kontakt. Man hat festgestellt, dass ohne Behandlung anfangs an dem Gelenk auch normale Knorpelzellen entstehen, die jedoch wieder recht schnell degenerieren. Bei der autonomen Knorpeltransplantation überfrachtet man diese Stellen nun mit der vier- bis fünffachen Anzahl an Knorpelzellen pro Quadratzentimeter. Man weiß, dass etwa ein Drittel davon untergehen wird. Zurück bleibt dann aber immer noch mehr als das, was man über die normale Stammzellentherapie erreicht.
rheinruhrmed: Welche Menge an gesundem Knorpel wird da entnommen?
Dr. Mann: Wir benutzen eine Stanze, die einen Durchmesser von ca. 4 Millimeter hat.
rheinruhrmed: Damit lässt sich dann außerhalb des Körpers eine beliebig große Menge Knorpel züchten?
Dr. Mann: Ja, das geschieht genau so, wie ich das eben geschildert habe. Dem Patienten wird dazu ein Viertel Liter Blut abgenommen. Der ausgestanzte gesunde Knorpel wird im Labor mit dem Blut in Verbindung gebracht, so dass neue Knorpelzellen entstehen.
rheinruhrmed: Und wenn diese Zellen dann wieder ins Kniegelenk kommen, verbinden sie sich sofort?
Dr. Mann: Ja, diese Kügelchen bleiben sofort haften. Sie werden in dem Defekt des Knorpels größer und verbinden sich. Nach etwa 20 Minuten ist dieser Defekt am Boden bereits ausgefüllt.
rheinruhrmed: Dennoch sollte man acht Wochen lang das Knie nach einem solchen Eingriff nicht belasten. Warum das?
Dr. Mann: Diese neuen Knorpelzellen sind in der Wachstumsphase sehr empfindlich – ähnlich wie ein mit Wasser gefüllten Luftballon: Wenn man drauf drückt, platzen die Zellen. Deswegen darf man sie in den ersten acht Wochen nicht belasten, zugleich sollte man aber das Knie viel bewegen. Deshalb bekommen Patienten eine Bewegungsschiene mit nach Hause, auf der man pro Tag vier bis sechs Stunden liegen sollte und mit der das Knie passiv bewegt wird. Diese Bewegung dient dazu, genügend Nährmittel in die Knieregion zu bekommen und gleichzeitig die Oberfläche des Knorpels schön glatt zu streichen. Nach einem Jahr kann man dann wieder voll Sport treiben. Nach etwa sechs Monaten ist sogar schon wieder leichter Sport möglich.
rheinruhrmed: Das dürfte ja auch z.B. für Fußballer interessant sein?
Dr. Mann: Genau, das wird ja bei denen auch schon gemacht.
rheinruhrmed: Nun hörte ich, dass die Behandlung sehr teuer ist.
Dr. Mann: Durchaus, die Kosten sind so hoch wie bei einer Knieprothese, also etwa bei 7000 Euro. Unsere Eingriffe werden allerdings von den Kassen übernommen, das haben wir so vereinbart. Für den Kassenpatienten entstehen also keinerlei Kosten. Auf Grund unserer Kompetenz sind wir die einzige Klinik am Niederrhein, die diese Operation ohne Zuzahlung des Patienten durchführen darf.
rheinruhrmed: Wenn die Behandlung dann abgeschlossen ist, hat der Patienten wieder einen völlig funktionsfähigen Knorpel und ist schmerzfrei?
Dr. Mann: Richtig.
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