Dipl.-Päd. Rainer Paust
arbeitet seit fast 20 Jahren
im Schulungsbereich des Essener Diabetes-Zentrums und ist Leiter des Projektes „Coping-Schulung für Menschen mit Diabetes“.
Herr Paust, sind Diabetiker nach einer Basisschulung, in der sie alles über Ernährung und Spritztechniken erfahren haben, nicht in der Lage, ihren Alltag allein zu meistern?
Dipl.-Päd. Paust: Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat deutlich gezeigt: Wissen ist nicht das einzige Instrument, das Menschen brauchen, um dauerhaft mit der chronischen Erkrankung zurechtzukommen. Bis zu 40 Prozent der Betroffenen geraten im Verlaufe ihres Lebens mit dem Diabetes in eine mehr oder minder ausgeprägte Krise. Diese geht häufig mit einem Nachlassen der Behandlungsmotivation einher; das heißt, in diesen Zeiten werden beispielsweise keine Blutzuckerkontrollen mehr durchgeführt oder die Ernährungsanpassung wird nicht mehr eingehalten. Eine solche Vernachlässigung der Behandlung kann sich unmittelbar negativ auf die Behandlungsergebnisse auswirken und führt – sofern dem Motivationsverlust in der diabetologischen Betreuung nicht angemessen begegnet wird – in manchen Fällen sogar zum Versagen der Therapie. Die Ursachen für solche Krisen sind häufig in der unzureichenden seelischen Bewältigung und Verarbeitung – dem so genannten Coping – der chronischen Erkrankung zu finden.
Was versteht man genau unter Coping?
Dipl.-Päd. Paust: Das Wort Coping kommt aus dem Englischen. „To cope with...“ heißt soviel wie „mit etwas zurechtkommen“. In der Medizin wird Coping häufig mit Krankheitsbewältigung gleichgesetzt. Mir gefällt das Wort Coping besser, da es nicht nur beinhaltet, wie jemand mit den Anforderungen einer Erkrankung umgeht, sondern alle Gedanken, Gefühle und Handlungen jenseits der Krankheit mit einbezieht. Das entspricht auch mehr unserem Schulungsansatz: Nicht nur die Krankheit, sondern den ganzen Menschen zu sehen. Denn jeder Diabetiker ist anders und jede Krankheitsverarbeitung ist ein individueller und von vielen Faktoren abhängiger Prozess. Aus diesem Grund ist es auch nicht sinnvoll, allgemeingültige Regeln aufzustellen, wie eine Krankheit zu bewältigen ist.
Was wird denn dann in den speziellen Coping-Schulungen vermittelt?
Dipl.-Päd. Paust: Coping-Schulungen helfen, festgefahrene Bewältigungsmuster und Verhaltensweisen zu lösen und neue Motivation aufzubauen. Diabetiker, die an dem dreimal dreistündigen Programm teilnehmen, lernen anhand ihrer individuellen Situation, Schwierigkeiten im Krankheitserleben und in der Umsetzung der Behandlung zu analysieren und zu verstehen sowie sich sinnvolle Ziele zu setzen. Positive Coping-Strategien haben viel mit Selbstbewusstsein und einem starken Selbstwertgefühl zu tun. Wer sein Coping verbessert, geht insgesamt deutlich besser und stressfreier mit Alltagssituationen und seiner Erkrankung um.
Welche Menschen wollen Sie mit dem Programm ansprechen?
Dipl.-Päd. Paust: Die Coping-Schulung haben wir in einem interdisziplinären Team am Elisabeth-Krankenhaus speziell für diejenigen Diabetiker entwickelt, die trotz mehrmaliger Teilnahme an Informationsschulungen im persönlichen Umgang mit ihrer Erkrankung und deren Behandlung immer noch Schwierigkeiten und Probleme haben. Nicht jeder Betroffene braucht in einer solchen Situation eine Psychotherapie. Seit dem Jahr 2000 bieten wir die Coping-Schulungen jetzt in Essen an. Aus unseren Befragungen der Teilnehmer wissen wir, dass bei ihnen die eigene Behandlungsmotivation und die Übernahme der Verantwortung fürs eigene Handeln nach einer Schulung deutlich steigt. Und das hat bei dreiviertel der Befragten auch weitreichend positive Auswirkungen auf deren Blutzuckereinstellung und somit auf ihren gesamten Gesundheitszustand.
Gibt es solche Coping-Schulungen nur in Essen?
Dipl.-Päd. Paust: Nein. Seit 2002 hat das Elisabeth-Krankenhaus Essen neben den Coping-Schulungen für Diabetiker auch Seminare für Trainer anderer Diabetes-Schulungseinrichtungen im Programm. Das Interesse an diesem Angebot war von Anfang an sehr groß. Heute gibt es zahlreiche ausgebildete und zertifizierte Zentren und Praxen in ganz Deutschland, die ihren Patienten Coping-Schulungen anbieten können.
(Quelle: EKE; redaktionell bearbeitet: rrm)
Bookmarken / Empfehlen Sie diese Seite auf:
/
/
/
/
/
/
/
/
/
/
/
/
/ ![]()
* Die hier wie überall auf rheinruhrmed.de angebotenen Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz ärztlichen Rates angesehen werden. Diese Internetseite kann und darf NICHT benutzt werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Bei Beschwerden oder Fragen jeglicher medizinischer Art konsultieren Sie bitte direkt Ihren Arzt oder Apotheker.
| Tipps & Termine |
Herz: 26.04.2012, 18.00 Uhr, Dr. med. Bernd Hufnagel (Chefarzt Innere Medizin im Ev. Krankenhaus Bethanien): KORONARE HERZKRANKHEIT – MODERNE DIAGNOSTIK UND THERAPIE, Virchowstr. 4, 44263 Dortmund-Hörde, Tel. 0231-9430-0 • Fax: 0231-9430-333 Schwindel: 03.05.2012, Schwindel - Diagnostik und Therapie, Susanne Hogrefe, CURAvita; Dr. Horst Luckhaupt, CA Klinik für HNO, im St.-Johannes-Hospital Dortmund, Konferenzraum 5, 19.00 Uhr.
|
| NEWSLETTER BESTELLEN |
News von rrm RHEIN RUHR MED
Sie wollen über aktuelle Interviews mit Ärzten und News aus der Medizin auf dem Laufenden bleiben? Da haben wir was für Sie [mehr...] oder folgen Sie uns über:
Meist geklickt im Monat Oktober 2011:
Eine Ära geht zu Ende: Mit der neuen Generation von Blutverdünnern bekommt der Klassiker Marcumar® Konkurrenz. Prof. Dr. med. Marc Horlitz erklärt, was von den neuen Mitteln zu halten ist [mehr...]
Meist geklickt in 2010:
Jedes Jahr werden allein in Deutschland über 200.000 Patienten an der Schilddrüse operiert. Prof. Dr. Dr. med. Walz erklärt, worauf es bei einer solchen Operation ankommt und wie operiert wird [mehr...]
| AUSGEWÄHLTE BEITRÄGE - ÜBERSETZT: |