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Blut im Stuhl bedeutet nicht gleich Darmkrebs, sollte aber vom Arzt dringend abgeklärt werden *

Hoffmann

Dr. med. Sigrid Kaminiorz

Chefärztin der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie, Hämatologie/ Onkologie am Bergmannsheil, Gelsenkirchen Buer.

Das Interview entstand im Rahmen eines Vortrags vor der Prostata-Selbsthilfegruppe Gelsenkirchen Buer:

rheinruhrmed: Fr. Dr. Kaminiorz, eine Darmspiegelung ist für viele Patienten mit das unangenehmste, was man sich an Untersuchungen so vorstellen kann. Können Sie das nachvollziehen?

Dr. med. Sigrid Kaminiorz: Nein, eigentlich nicht wirklich, schließlich ist die Angst vor einer Darmspiegelung völlig unbegründet. Der Patient merkt von der Untersuchung überhaupt nichts, weil er während der gesamten Koloskopie schläft. Gleiches gilt übrigens auch für die Magenspiegelung. In beiden Fällen wird Puls, EKG, Blutdruck und Sauerstoffsättigung des Patienten ständig überwacht, so dass sich die Narkosemedikamente viel besser dosieren lassen. Das Ganze verläuft also sehr schonend ab. Das einzige, was vielleicht manchmal heute noch von einigen Patienten als unangenehm empfunden wird, ist die Vorbereitung auf eine Koloskopie.

rheinruhrmed: Gerade ältere Menschen fürchten sich davor, im Vorfeld so viel trinken zu müssen, um die abführenden Medikamente aufzunehmen.

Dr. med. Sigrid Kaminiorz: Da hat sich in den letzten Jahren auch sehr viel geändert. Ich arbeite insgesamt schon seit 20 Jahren in der Inneren Medizin. Und tatsächlich: Früher musste man bis zu vier Liter trinken, um den Darm vorzubereiten. Heute reichen dank moderner Medikamente schon zwei Liter. Das

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ist vor allem für Patienten gut, die z.B. eine Herzschwäche haben und gar nicht mehr so viel Flüssigkeit zu sich nehmen können. Die Untersuchung dauert übrigens ca. 30 bis 40 Minuten. Man sollte den Darm schließlich sorgfältig untersuchen. Und so ein Darm ist ca. 1,20 Meter lang.

rheinruhrmed: Wird die Darmflora durch die vorbereitende Reinigung des Darms geschädigt?

Dr. med. Sigrid Kaminiorz: Nein, die Darmreinigung ist eine einmalige Sache. Dabei entfernen Sie nicht gleich sämtliche Bakterien im Darm. Die Reinigung ist nur dazu da, um den Darm weitestgehend vom Stuhl zu befreien. Die Patienten haben danach auch keinen Durchfall. Wenn ein großer Polyp entfernt wurde, rät man zwar durchaus, dass der Patient am selben Tag besser nur Flüssigkeiten zu sich nehmen sollte. Aber das war es dann auch schon mit den Vorgaben. Nach einer Darmspiegelung können Sie nach zwei Stunden, wenn Sie ausgeschlafen haben, wieder nach Hause und normal essen.

rheinruhrmed: Gibt es denn keine Alternativen zur Darmspiegelung?

Dr. med. Sigrid Kaminiorz: Um Krebsvorsorge wirklich effizient vornehmen zu können, führt kein Weg an einer Darmspiegelung vorbei. Schließlich schaut man sich während einer Koloskopie den Darm unmittelbar an und kann schon bei kleinsten Polypen oder sonstigen Veränderungen direkt vor Ort therapieren. Sicherlich werden heutzutage viele Alternativverfahren diskutiert, etwa spezielle Röntgenuntersuchungen oder auch eine sogenannte virtuelle Koloskopie. An solchen Aufnahmen sieht der behandelnde Arzt sicherlich auch Veränderungen. Doch wenn dann eine Veränderung festgestellt wird, muss man eh eine Koloskopie vornehmen, um sie zu behandeln. Auch die Leitlinien sehen eine Darmspiegelung als Standard-Verfahren vor.

rheinruhrmed: Es gibt Patienten, denen wird nach der Darmspiegelung gesagt, dass sie so genannte Divertikel im Darm haben. Was ist das?

Dr. med. Sigrid Kaminiorz: Solche Divertikel sind durchaus häufig, wir finden sie bei jeder 5. oder 6. Darmspiegelung. Sie befinden sich vor allem am Anfang des Darms. Einige sprechen bei Divertikeln auch von „Löchern im Darm“. Aber ich halte diesen Ausdruck für etwas unglücklich gewählt, weil er nahe legt, dass der Darm wie ein Sieb sei. Divertikel sind aber keine Löcher, sondern Ausbuchtungen. Es kann sein, dass sich so ein Divertikel entzündet, da hier Stuhlreste über längere Zeit hängen bleiben können. Das kann zu Unterbauchbeschwerden führen. So eine Divertikulitis sieht man dann häufig schon in der Ultraschall-Untersuchung. Die Gefahr besteht, dass sich in sehr seltenen Fällen ein Divertikel derart entzündet, dass der Darm platzt. Aber das ist wirklich sehr, sehr selten. Dann muss der Darm akut operiert werden.

rheinruhrmed: Wie entwickelt sich Darmkrebs?

Dr. med. Sigrid Kaminiorz: Darmkrebs entwickelt sich meist aus kleinen Geschwülsten, die man Polypen nennt. Die Entwicklung vom gutartigen Polypen zum bösartigen Karzinom dauert jedoch mehrere Jahre, man vermutet bis zu zehn Jahre. So ganz genau weiß man das nicht. Aber das heißt, man hat relativ viel Zeit, solche Polypen rechtzeitig zu entdecken. Leider erkranken immer noch 71.000 Patienten in Deutschland pro Jahr an Darmkrebs, 27.000 Menschen sterben an dieser Krankheit. Im Schnitt erkranken 6 von 100 Menschen einmal in ihrem Leben an Darmkrebs. Wenn man den Darmkrebs jedoch im frühen Stadium erkennt, ist er zu 100 Prozent heilbar.

Fortsetzung des Interviews:

rheinruhrmed: Welche Patienten haben ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken? [Antwort von Dr. med. Sigrid Kaminiorz]

rheinruhrmed: Welche Symptome für einen Darmkrebs gibt es? [Antwort von Dr. med. Sigrid Kaminiorz]

rheinruhrmed: Wenn sich Blut im Stuhl finden lässt, bedeutet das automatisch, dass man Darmkrebs hat? [Antwort von Dr. med. Sigrid Kaminiorz]

rheinruhrmed: Lässt sich am Blut im Stuhl erkennen, von wo das Blut stammt? [Antwort von Dr. med. Sigrid Kaminiorz]

rheinruhrmed: Ist es nötig, vor einer Darmspiegelung blutverdünnende Medikamente abzusetzen? [Antwort von Dr. med. Sigrid Kaminiorz]

rheinruhrmed: Kommen wir zu den Vorsorgekosten: Was übernimmt die Krankenkasse? [Antwort von Dr. med. Sigrid Kaminiorz]

rheinruhrmed: Welche Rolle spielt die Nachsorge? [Antwort von Dr. med. Sigrid Kaminiorz]

rheinruhrmed: Wie sieht denn ein Lebensstil aus, der sich positiv auf den Darm auswirkt? [Antwort von Dr. med. Sigrid Kaminiorz]

Die Deutsche Krebsgesellschaft NRW hat in einem 52-seitigen Patientenheft alles Wissenswerte zum Thema Darmvorsorge/Darmkrebs zusammengetragen [Download...]

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