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Schmerz

Experten sind sich sicher: Das "schmerzfreie Krankenhaus" ist möglich

Eine Befragung des Projekts „Schmerzfreies Krankenhaus“ hat gezeigt, dass in deutschen Kliniken über 80 Prozent der Patienten unnötig Schmerzen leiden. Heraus kam aber laut Deutscher Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) mit Sitz in Bochum auch, dass bessere Ergebnisse möglich sind.

Mehr als 30 deutsche und österreichische Krankenhäuser wollen inzwischen ihr Schmerzmanagement optimieren und haben dafür das Zertifikat „Qualifizierte Schmerztherapie“ der Certkom e.V. erhalten. Das Grazer Universitätsklinikum beginnt als erstes in Europa die Zertifizierung aller Fachdisziplinen inklusive der Kinderchirurgie. Dafür erhielt die Klinik gemeinsam mit dem Certkom e.V. jetzt den Salus Preis.

Erschreckende Ausgangslage: 8 von 10 Patienten haben unnötige Schmerzen

Die Ausgangslage des Projekts „Schmerzfreies Krankenhaus“ (Dtsch Arztebl Int 2010; 107(36): 607-14) musste zunächst alle erschrecken: Mehr als 80 Prozent der Patienten hatten unnötige Schmerzen, vor allem nach kleineren Operationen, aber besonders oft auch auf konservativen Stationen der Inneren Medizin, Neurologie oder Orthopädie. Viele Patienten erhielten eine unzureichende und oft nur kurz wirksame Therapie und gaben daher der Schmerztherapie schlechtere Noten als Patienten auf operativen Stationen.

Wann ist eine Schmerztherapie qualifiziert?

Die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) möchte zusammen mit dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), der MEDICA Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizin und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin Certkom e.V. die Schmerztherapie flächendeckend in Deutschland verbessern. Struktur-, Prozess und Ergebniskriterien wurden entwickelt. Außerdem wurde festgelegt, ab wann eine Schmerztherapie als qualifiziert einzustufen ist.

Darauf aufbauend verleiht Certkom das Zertifikat „Qualifizierte Schmerztherapie“. Das besondere an dieser Zertifizierung ist die Orientierung an der Ergebnisqualität. Das Zertifikat wird nur verliehen, wenn die Mehrzahl aller Patienten einer Klinik zufrieden mit der Schmerztherapie ist und lediglich geringe Schmerzen aufweist. Eine weitere Besonderheit ist, dass auch überprüft wird, inwieweit die ärztlichen Fachgebiete, insbesondere aber auch die Ärzte bei der Schmerztherapie mit dem Pflegepersonal und den Physio- und Ergotherapeuten zusammenarbeiten. „Ohne diese Zusammenarbeit ist Schmerztherapie nicht möglich“, unterstreicht Prof. Dr. Michael Zenz, 1. Vorsitzender von Certkom. Im Unterschied zu früheren Aktivitäten werden auch konservativ behandelte Patienten und erstmals jetzt auch Kinder in eine solche Bewertung einbezogen.

34 Kliniken haben das Zertifikat

Bereits 34 Kliniken mit 59 Abteilungen wurden in Deutschland und seit kurzem auch in Österreich (Salzburg und Graz) für ihre erfolgreiche Arbeit nach sorgfältiger Prüfung vor Ort mit dem Zertifikat belohnt. Das Universitätsklinikum Graz ist jetzt das erste Universitätsklinikum in Europa, in dem diese Zertifizierung in allen Kliniken dieser Universität durchgeführt wird. Bislang waren in Kliniken solcher Größe immer nur einzelne Abteilungen beteiligt. Für dieses Projekt erhielt die Grazer Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern von Certkom soeben den Salus Preis, den steirischen Qualitätspreis Gesundheit.

Rezertifizierung startet in Deutschland

In Deutschland beginnt jetzt für die ersten Kliniken die Rezertifizierung. Als Spitzenreiter des ersten Durchgangs hat das Krankenhaus Martha-Maria in Halle-Dölau eine Rezertifizierung im September mit großem Erfolg abgeschlossen. „Niemand kann eine schmerzfreie Medizin garantieren, dieses Projekt zeigt aber, dass überflüssiges Leid vermieden werden kann“, sagt Prof. Dr. Christoph Maier, Sprecher des wissenschaftlichen Beirats bei Certkom. Als eines der nächsten Projekte beginnt jetzt die Zertifizierung von Kreissälen und von Intensivstationen. Hier herrschen zwar andere Bedingungen, der Grundsatz ‚Starke Schmerzen sind vermeidbar‘ kann aber ebenso umgesetzt werden. Im Jahr 2011 werden erste Ergebnisse vorliegen. Alle Projekte haben gezeigt, dass viele Schmerzen nicht unausweichlich, sondern leicht behandelbar sind. 

- 01.10.2010 -

(Quelle: DGSS e.V.; redaktionell bearbeitet: rrm)

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