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Parkinson

Neuartiger Hirnschrittmacher lässt sich feiner dosieren

Mediziner sprechen von einem Meilenstein: Am 8.11.2010 wurde nach Abgaben der Uni-Klinik Köln weltweit erstmalig ein innovativer neuer Hirnschrittmacher zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung bei einem 58-jährigen Mann eingesetzt. Der Schrittmacher kann individueller und differenzierter eingesetzt werden als seine Vorgänger.

„Die Operation ist zu unserer vollsten Zufriedenheit verlaufen; unserem Patienten geht es sehr gut,“ berichtet Prof. Dr. Volker Sturm, Direktor der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie. Die Operation wurde von Priv.-Doz. Dr. Maarouf, Leitender Oberarzt, gemeinsam mit den Neurologen Prof. Dr. Lars Timmermann und Dr. Michael Barbe durchgeführt.

Erkrankung kann feiner dosiert "blockiert" werden

„Der neue Hirnschrittmacher ist ein Meilenstein in der Parkinson-Therapie, da wir nun nicht mehr über vier, sondern über acht Kontakte auf jeder Hirnseite verfügen können“, erklärt Prof. Dr. Lars Timmermann. So kann die Erkrankung feiner dosiert „blockiert“ werden. Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Sprachstörungen, die bisher durch die Reizung von Nachbarregionen hervorgerufen wurden, können so vermieden werden.

System ist nur wenig großer als eine Streichholzschachtel

Mit dem neuen Hirnschrittmacher ist es möglich, an jedem der acht Kontakte unterschiedliche Stimulationsprogramme ablaufen zu lassen. Damit können nahe beieinander liegende Hirnareale individuell angesteuert werden. Ein Tremor (krankhaftes Zittern) oder ein verlangsamter Bewegungsablauf kann so individuell therapiert werden. Dabei ist das neue System nur wenig größer als eine Streichholzschachtel. Neu ist neben den acht Elektrodenkontakten auch eine bislang nicht gekannte Variabilität in der Programmierung des Hirnschrittmachers. „Wir hoffen mit diesen vielen neuen Optionen die Lebensqualität unserer Patienten nachhaltig zu verbessern“, so Prof. Dr. Lars Timmermann.

Ab jetzt wird das Einsetzen wie auch die Funktion des neuen Hirnschrittmachers in Köln erforscht und koordiniert. „Sieben bis zwölf Patienten werden in den nächsten Monaten hier den neuen Hirnschrittmacher eingesetzt bekommen“, erklärt der Neurologe Timmermann. „Wir werden damit hauptsächlich Patienten mit Parkinson behandeln, aber auch Krankheitsbilder wie Tremor und Dystonie. Weltweit werden in der Testphase des Gerätes 40 Menschen operiert. Die Ergebnisse laufen hier in Köln zusammen und werden von uns wissenschaftlich ausgewertet und publiziert.“ Ende nächsten Jahres rechnen die Wissenschaftler mit den ersten Ergebnissen.

Hintergrund:
Die Hirnschrittmachertherapie ist bei Morbus Parkinson inzwischen eine fest etablierte Therapieoption. Derzeitig profitieren vor allem Patienten mit ausgeprägtem Zittern (Tremor) und Patienten, die trotz Medikamenten zwischen guter und schlechter Beweglichkeit hin und her schwanken. Zahlreiche Studien konnten belegen, dass die Tiefe Hirnstimulation die Lebensqualität von Patienten mit Morbus Parkinson deutlich und anhaltend verbessert im Vergleich zur Fortsetzung der Therapie mit Medikamenten.

Die Forschung im Bereich der Bewegungsstörungen und der Tiefen Hirnstimulation hat einen großen Schwerpunkt in Köln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert hier seit Anfang 2010 eine Klinische Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Gereon Fink, Direktor der Klinik für Neurologie und Prof. Dr. Lars Timmermann, Leiter des Schwerpunktes Bewegungsstörungen an der Neurologischen Klinik mit 2,9 Millionen Euro. Ziel der Förderung ist es, die Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln.

(Quelle: Uni-Klinik Köln; redaktionell bearbeitet: rrm)

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