Weltweit erstmals haben u.a. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Düsseldorf den Beweis miterbracht, dass Krebspatienten durch eine gezielte Überwärmung von Tumorgewebe kombiniert mit einer Chemotherapie zwei- bis dreimal mehr profitieren, als wenn eine Chemotherapie allein angewendet wird.
Die Klinik für Kinderonkologie, -Hämatologie und klinische Immunologie des Universitätsklinikums Düsseldorf behandelt als einzige Einrichtung weltweit Kinder mit der so genannten regionalen Tiefenhyperthermie, der gezielten örtlichen Überwärmung von Tumorgewebe. Sie nimmt im Rahmen ihres Forschungsauftrages auch an Hyperthermiestudien von Erwachsenen teil. Die Studie von Rolf Issels, Lars H. Lindner et al. (LMU München, Klinikum Großhadern), aktuell veröffentlicht in der hochrangigen Fachzeitschrift „The Lancet Oncology“ (29.04.2010), erbringt erstmalig den Nachweis, dass Patienten eindeutig von einer kombinierten Behandlung aus Chemotherapie und Hyperthermie gegenüber dem Einsatz alleiniger Chemotherapie profitieren. Die Studie wurde an 341 Patienten mit Weichteil-Sarkomen über einen Zeitraum von neun Jahren durchgeführt. Priv. Doz. Dr. Rüdiger Wessalowski leitet die Hyperthermie-Arbeitsgruppe der Düsseldorfer Uni-Klinik und war als Co-Autor an der Studie beteiligt.
Therapie sollte vor allem ein Einschmelten des Tumors erreichen
In zwei Studienarmen haben Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Norwegen, den USA und Frankreich bei insgesamt 341 Patienten in sieben Zentren die Kombination aus Chemotherapie und Hyperthermie oder alleiniger Chemotherapie verglichen (Phase III Studie). Ein Vorteil der Kombination von Hyperthermie mit Bestrahlung war bereits für andere Krebsformen bestätigt worden. Für im Wachstum befindliche Kinder beispielsweise kommt eine Strahlentherapie jedoch nur in Ausnahmefällen in Betracht. Die in der vorliegenden Studie untersuchten Weichteil-Sarkome sind eher seltene, aber schwierig zu behandelnde, bei Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu Erwachsenen überproportional häufig vorkommende Tumoren. Die Therapie sollte vor allem ein Einschmelzen des Tumors vor einer operativen Entfernung erreichen und die Bildung von Metastasen verhindern; das ist die Strategie der Wahl bei dieser Art von Erkrankung.
Kombination steigert den Effekt der Chemo um das zwei- bis dreifache
Kinderonkologe Rüdiger Wessalowski forscht seit 20 Jahren auf dem Fachgebiet Hyperthermie. Er bewertet die Studienergebnisse als weitreichenden Fortschritt für Patienten: „Wir konnten zum allerersten Mal weltweit klinisch nachweisen, dass Hyperthermie den Effekt der Chemotherapie um das zwei- bis dreifache steigert. Allein damit ist diese Kombinationsbehandlung als effektive Therapie
wissenschaftlich belegt, aus meiner Sicht ein bahnbrechendes Ergebnis in der klinischen Krebsforschung.“
Hypertermie regt Abwehrmechanismen des Körpers an
Die Hyperthermie wird - auch bei Kindern und Jugendlichen - zur Behandlung von nicht operablen, sich anderen Therapien widersetzenden oder wiederkehrenden Tumoren eingesetzt. Das Tumorgewebe wird gezielt auf Temperaturen zwischen 42 bis 44°C erwärmt. Durch die Hitze wird - neben der Verstärkung von Chemo- und Strahlentherapie - die Sauerstoff- und Engergieversorgung des kranken Gewebes unterbrochen, so dass die Krebszellen einen frühzeitigen selbstprogrammierten Zelltod sterben (Apoptose). Außerdem regt die Hyperthermie bestimmte Abwehrmechanismen des Körpers dazu an, die Krebszellen zu zerstören.
Tumorwachstum kann wirksam reduziert werden
Die Studie von Issels/Lindner et al. belegt eine signifikante Wirkung dieser Methode und führt zu einer Reduktion von Tumorprogression und Todesrate. In der Gruppe der Kombi-Therapie der mit Hyperthermie behandelten Personen wurde bereits ein gemitteltes erkrankungsfreies Überleben der Patienten von 120 Monaten im Vergleich zu 75 Monaten in der Gruppe der allein mit Chemotherapie Behandelten überschritten. Die zusätzliche Hyperthermie verdoppelte außerdem den Anteil an Patienten, die günstig auf die Chemotherapie ansprachen (12,7 zu 28,8 Prozent Kombi-Therapie). Ein Tumorwachstum innerhalb von zwei Jahren nach Therapiebeginn wurde bei lediglich 19 Prozent der Patienten mit Hyperthermie-Einsatz festgestellt, während 30 Prozent der Patienten ohne Wärmebehandlung davon betroffen waren.
Überlebensvorteil noch nicht für die Gesamtgruppe feststellbar
Die Daten, so die Autoren, ergeben bis jetzt einen Überlebensvorteil für spezielle Subgruppen, noch nicht für die Gesamtgruppe, dazu ist möglicherweise der Beobachtungszeitraum noch zu kurz. Es bleibt weiter zu prüfen, ob auch für andere Krebsformen ähnliche Ergebnisse mit diesem Behandlungskonzept erreicht werden können. Für Weichteil-Sarkom-Erkrankungen haben Ärzte weltweit eine neue Behandlungsoption erhalten.
(Quelle: Universitätsklinikum Düsseldorf; redaktionell bearbeitet: rrm)
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